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Seit 02. Juni 2020 sind nun teilweise wieder Präsenzprüfungen an der TU Wien unter Beachtung entsprechender Sicherheitsmassnahmen und Vorkehrungen möglich. Einen Leitfaden zum Thema "Präsenzprüfungen an der TU Wien" finden sie im coLAB unter: https://colab.tuwien.ac.at/x/DAXo

Wir haben einige Studierende, die bereits an Prüfungen im Juni teilgenommen haben, gebeten, mit uns ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen. Dies sehen wir als einen wichtigen Input, um weitere Vorgehensweisen zu verbessern und möglicherweise zu adaptieren.

Anbei finden Sie einen der ersten Erfahrungsberichte von Herrn Niklas Pöcklhofer, Student & Tutor im Studium Wirtschaftsingenieurwesen - Maschinenbau.


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03.06.20 – Endlich wieder Prüfungen!

Nun war es wieder so weit. Endlich nach Corona wieder auf die Uni und Prüfungen schreiben. An diesem Tag sogar doppelt, als Prüfer und Prüfling. Ich sollte also die Chance erhalten, aus beiden Perspektiven die neuen Maßnahmen für Präsenzprüfungen mitzuerleben. Leider konnte ich während der letzten Monate kaum Prüfungen ablegen, da die meisten Fächer meines Semesters noch nicht oder gar nicht auf online umgestellt wurden. Wie waren also meine Eindrücke am ersten Tag Post-Corona?

Prüfung 1 - 08:00 als Tutor bei Kosten- und Leistungsrechnung VO

Mein Tag begann heute relativ früh. Um 06:15 läutete mein Wecker. Aufstehen, Duschen, Anziehen, noch schnell die restlichen Sachen zusammenpacken, und dann los auf die Uni. Die erste Prüfung nach den Zugangsbeschränkungen wegen Corona stand an. Es ging zu einer Prüfung aus dem 3. Semester des Wirtschaftsingenieurwesen - Maschinenbau Curriculums. Kosten- und Leistungsrechnung VO, bei welcher ich bereits das zweite Semester als Tutor tätig war.

Beim Audimax am Getreidemarkt angekommen fand ich schon zahlreiche Studierende warten, dass es endlich losgehen kann. Es lag eine gewisse Aufbruchsstimmung in der Luft. Um 7:25 machte sich das Sicherheitspersonal bereit und begab sich langsam zu den beiden Vordereingängen des Hörsaals. Um Punkt 7:30, also exakt 30 Minuten vor Beginn der Prüfung, wurden die Türen geöffnet, und die Studierenden durften bei erfolgreicher Passierscheinkontrolle eine_r nach dem/der anderen in den Hörsaal strömen. Auch meine zwei Kollegen und ich wurden zwischen den anderen Prüflingen in den Saal eingelassen. Die Sitzplätze waren alle sehr deutlich mit Nummern gekennzeichnet, um den nötigen Mindestabstand einzuhalten, und so ging es viel schneller als normal, den Studierenden den richtigen Platz zuzuweisen. Früher musste man die Studierenden unzählige Male darauf hinweisen, wie die Sitzordnung bei dieser Prüfung ist. (jede zweite Reihe frei, zwei Plätze zwischen den Studierenden; jede Reihe besetzen, ein Platz zwischen den Studierenen; etc.)

Pünktlich um 08:00 hatten sich alle Prüflinge eingefunden, und wir konnten mit dem Austeilen beginnen. Sobald alle Prüfungen ausgegeben waren, konnte auch die Identitätskontrolle starten. Dabei wurde natürlich wie beim Austeilen der Prüfungen zuvor auf die Hygienevorschriften geachtet und stets eine MNS-Maske getragen sowie ein möglichst großer Abstand zu den Studuerenden eingehalten.

Dies verlief relativ unverändert zu den früheren Prüfungen, da lediglich auf mehr Abstand geachtet werden musste, die Maske war ja sowieso immer mit dabei. Während der Prüfung gab es auch kaum Besonderheiten, die üblichen zwei bis drei Schummelversuche, welche nach kurzer Ermahnung wieder eingestellt wurden, und ein paar Verständnisfragen.

Für die Prüfungen waren zwei Stunden angesetzt -- für Studierende, die gut vorbereitet waren, mehr als genug. So kam es, dass einige Prüflinge bereits viel früher abgaben. Diese ließen wie vereinbart die Prüfung einfach am Tisch liegen und machten sich sodann von dannen. Da ich der einzige Tutor war und 2 Personen bei 94 Studierenden (so viele dürfen aktuell maximal in den Audimax hinein) doch ausreichend beschäftigt sind, kam es dazu, dass Prüfungen öfters längere Zeit alleine herumlagen und darauf warteten, eingesammelt zu werden.

Dies war für mich schon ein komisches Gefühl. Obwohl es nicht meine Prüfung war, die dort so herrenlos herumlag, warf es doch ein gewisses Unwohlsein hervor. Was, wenn jemand die Prüfung, für die man so lange gelernt hat, einfach verschwinden lässt, weil sich jemand einen Scherz erlaubt? Oder was, wenn meine Prüfung beim Vorbeigehen von jemandem hinuntergestoßen wird und die Prüfer diese beim Einsammeln übersehen? Wie sollte ich mich daraufhin rechtfertigen, ich könnte ja nicht einmal behaupten, ich hätte die Prüfung dem Tutor in Hand gedrückt und mich verabschiedet. Wie gesagt, schon ein komisches Gefühl.

Die Prüfung lief sehr entspannt ab, es gab keine Zwischenfälle, und auch die neuen Maßnahmen wurden allesamt einwandfrei eingehalten. Die Studierenden befolgten die vor der Prüfung verkündeten neuen Sicherheitsmaßnahmen, und so gab es keine Gruppenbildungen am Ende der Prüfung, beim Erheben vom Platz wurden zuvor die Masken angelegt, und auch Begrüßungen mit Handschlägen konnte ich keine erblicken.

Zusammenfassend würde ich sagen, trotz der zusätzliche Maßnahmen lief die Prüfung fast wie gewohnt ab, die Studierenden konnten sich an die neue Situation sehr gut anpassen, und auch uns Prüfern gelang es, die Prüfung gut organisiert durchzuführen. Lediglich das Tragen der Maske über mehr als 2 Stunden hinweg war gegen Ende hin schon eine Belastung -- vor allem, wenn man die Stiegen zur Beantwortung von Fragen auf und ab hetzen musste. Auch für die Abgabe der Prüfungen könnte man sich meiner Meinung nach etwas anderes überlegen, um gar nicht in die oben beschriebenen Dilemmata zu geraten.

Nach der Prüfung ist vor der Prüfung.

Für mich ging es nach einer Verabschiedung von meinen Kollegen über den markierten Weg raus aus dem BA-Gebäude direkt weiter zu einem Studienkollegen und guten Freund, mit dem gemeinsam um 15:00 die erste eigene Präsenzprüfung nach Wiedereröffnung anstand. Bis dahin wurde noch gekocht und die wichtigsten Inhalte der Prüfung wiederholt. Nach so langer Zeit zu Hause in Oberösterreich war es schön, wieder einmal meine Kollegen persönlich zu sehen, wenn auch mit dem nötigen Sicherheitsabstand.

Prüfung 2 – 15:00 als Kandidat bei Mess- und Schwingungstechnik VO

Etwas „verspätet“ trafen wir um ca. 14:35 am Eingang des Audimax ein. Dabei wurden unser Passierschein sowie der Studierendenausweis kontrolliert, bevor wir eingelassen wurden. Direkt hinter dem Eingang fand bereits die eigentliche Identitätskontrolle für die Prüfung statt. Dabei wurde uns auch gleich ein Sitzplatz zugewiesen und die dazugehörige Formelsammlung übergeben. Es waren bereits einige Studierenden da. Nachdem ich meinen Platz bezogen und meine Schreibutensilien bereitgelegt hatte, ging das Warten los. Um die Zeit und vor allem auch die Anspannung (die Prüfung zählt zu den schwierigeren des Curriculums) zu überbrücken, suchte ich nochmals die Toilette auf. Bei der Rückkehr machte ich zusätzlich beim extra aufgestellten Desinfektionsmittelspender direkt im Hörsaal Stopp.

Nach langem Zuwarten ging es dann endlich los, eine Einführung zu den Prüfungshinweisen und zusätzlich, wie bereits am Vormittag, eine kurze Belehrung über die Sicherheitsbestimmungen. Dann wurden die Prüfungen ausgeteilt, und es konnte losgehen. Zuerst die Theorie, dann die Rechenbespiele. Erstere gelang mir ganz gut. Toll, ein erfolgreicher Start in eine Prüfung ist immer wichtig. Da nach einiger Zeit noch immer niemand zur Identitätskontrolle vorbeigekommen war, erinnerte ich mich daran, dass diese ja bereits zu Beginn stattfand. Auffällig war auch, dass alle Fragen gleich vorab laut gestellt werden sollten, um zusätzlichen Kontakt zwischen Studierenden und Prüfenden zu vermeiden. Wie im Flug verging die Zeit, und so kam es auch, dass ich leider nicht fertig wurde. Naja, trotzdem hatte ich ein ganz gutes Gefühl, es sollte sich ausgehen. Nach Aufforderung durch die Prüfer wurden die Schreibutensilien nach exakt zwei Stunden beiseite gelegt und die Prüfungen eingesammelt. Erst danach begannen die Studierenden sich von ihren Plätzen zu erheben und sich mit Kommilitonen über die gar nicht so leichte Prüfung zu unterhalten und Ergebnisse zu vergleichen. Ein vorzeitiges Abgeben und Aufstehen, wie es am Vormittag mehrmals der Fall war, gab es bei dieser Prüfung nicht. Über ein gut beschildertes Leitsystem wurden wir sodann aus dem Gebäude gelotst, und der Reinigungsdienst machte sich währenddessen bereits wieder eifrig an die Säuberung der Arbeitsflächen. Nach so einem langen „Arbeitstag“ gönnten wir uns noch ein wohlverdientes Feierabend-Bier und ließen den Tag im Museumsquartier ausklingen. Schon eine tolle Lage, die unsere Universität da bietet!

Mein Resümee fällt durchwegs positiv aus. Trotz der zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen konnten beide Prüfungen reibungslos durchgeführt werden. Zeitlich gab es absolut keine Probleme, die Studierenden sowie die Prüfenden waren allesamt sehr pünktlich. Zwei Punkte, die man meiner Meinung nach verbessern könnte, wären die herrenlosen Prüfungen, die ein, zumindest bei mir, unangenehmes Gefühl hervorriefen und die lange Dauer (die gesamte Prüfungszeit), während der die MNS-Masken getragen wurden. Vor allem, wenn man viel in Bewegung ist und individuelle Fragen beantwortet oder einfach nur Prüfungen einsammelt, kann es schon sehr anstrengend werden, nur durch die Maske zu atmen. Abschließend denke ich allerdings, dass das Format im großen und ganzen sehr gut funktioniert hat und man darauf jedenfalls aufbauen kann.

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Image Modified

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Autor: Niklas Pöcklhofer, Student & Tutor im Studium Wirtschaftsingenieurwesen - Maschinenbau

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Falls Sie aus Lehrendensicht oder auch aus Studierendensicht Ihre Erfahrungen mit uns teilen möchten, freuen wir uns sehr über zahlreiche Kommentare in unserem Blogbereich oder auch direkten Kontakt über: distancelearning@tuwien.ac.at  


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