Skip to end of metadata
Go to start of metadata

Seit 2. Juni 2020 sind teilweise wieder Präsenzprüfungen an der TU Wien unter Beachtung entsprechender Sicherheitsmassnahmen und Vorkehrungen möglich. Einen Leitfaden zum Thema "Präsenzprüfungen an der TU Wien" finden Sie im coLAB unter: https://colab.tuwien.ac.at/x/DAXo

Wir haben einige Studierende als auch Mitarbeiter_innen, die auch an online-Prüfungen teilgenommen haben, gebeten, mit uns ihre persönlichen Erfahrungen zu teilen. Dies sehen wir als einen wichtigen Input, um weitere Vorgehensweisen zu verbessern und möglicherweise zu adaptieren.

Anbei finden Sie einen der ersten Erfahrungsberichte von Herrn Andreas Dendl, Student der Medizinischen Informatik, und Sarah El-Sherbiny, Mitarbeiterin und Studentin des Studiums Visual Computing.


Andreas Dendl

Mein Name ist Andreas Dendl, ich bin schwer körper- und sprechbehindert und studiere Medizinische Informatik an der TU Wien.

Bis Dezember 2019 arbeitete ich mit AUTONOM und einer Zweischirmlösung, die von Fortec für mich angepasst wurde. Auf einem Monitor waren Masken mit Zeichen, Symbolen oder Anweisungen, welche mittels eines Cursors automatisch ausgewählt und von mir mittels eines Fußschalters abgerufen wurden. Symbole und Zeichen wurden auf den zweiten Monitor übertragen und in Schriftstücke oder Formeln eingefügt. Anweisungen wurden direkt über einen Sprachgenerator ausgeführt. Das System basierte auf Windows XP und wurde mit Jahresende nicht mehr serviciert. Ich arbeite daher seit Dezember mit der Tobii Dynavox Augensteuerung. Dieses Programm versetzt mich in die Lage, den Computer wie ein User ohne Behinderung zu bedienen. Kaum eingearbeitet, stellte die Corona-Krise mein Team und mich vor eine neue Herausforderung: Distance Learning.

Der Umstieg auf Distance Learning

Wie gesagt, ich arbeite mit einem Stand-PC und der Tobii Augensteuerung. Weiters benutze ich Lerntia, eine Software die von meinem Team im Rahmen einer Lehrveranstaltung für mich geplant und mitentwickelt wurde.

Mein PC hat keine eingebaute Webcam, schwierig war es im März und April, eine Webcam zu bekommen (Lieferzeiten ab Juni). Unsere Lösung, um mit dem Team zuarbeiten und die Prüfung ablegen zu können, war, dass wir ein Smartphone in das Meeting addierten und als Kamera nützten.

Erster Test: Mein Team und ich kommunizierten über TeamViewer. Dabei gab es Verbindungsprobleme und Tonprobleme, da mein Systemton bei denTeilnehmer_innen nicht zu hören war. Bei der Verwendung eines zusätzlichen Mikrophons kam es zu Rückkopplungen.

Der nächste Test war mit Zoom: Dabei hat alles funktioniert. An der Kommunikation haben zwei Personen, mein Smartphone und ich teilgenommen.

Da ich über eine Zweischirmanlage verfüge, gab es das Problem, dass die anderen Teilnehmer_innen den zweiten Schirm nicht sehen und nicht darauf zugreifen konnten. Die Lösung war, dass ich mich bei Zoom registriert habe und in meinenEinstellungen die „Remoteunterstützung“ aktiviert habe.

Seit Mitte März treten wegen der intensiven Nutzung meiner Internetverbindung Belastungsspitzen auf (Home Office, Home Learning, mehr Surfen im Netz).
Dadurch gibt es leichte Bild- und Tonstörungen.

Meine online-Prüfung

Sarah El-Sherbiny vereinbarte mit dem Prüfer den Prüfungsmodus (MeetingSoftware Zoom, virtueller Meetingraum). Bei der Prüfung stellte sie mein Tool Lerntia auf den Prüfungsmodus um und bereitete die Fragen im System auf. Über Multiple-Choice Fragen wurde die Prüfung abgelegt.

Allgemein zum Distance Learning

Das Team bereitet die Arbeitsunterlagen für die jeweilige Vorlesung bzw. Übung für mich auf, und ich erhalte diese über Dropbox.

Mein Team und ich sind im Distance Learning mittlerweile ein gutes Team geworden.
Mir persönlich fehlt aber der direkte menschliche Kontakt zu meinem Team. Das Distance Learning ist sicher eine gute Lösung für eine gewisse Zeit, aber keine Dauerlösung.

Andreas Dendl

Autor: Andreas Dendl – Student der Medizinischen Informatik


Sarah El-Sherbiny

Ich studiere Visual Computing an der TU Wien und begleite Andreas Dendl im Laufe seines Studiums, um ihm gemeinsam mit unserem Team die benötigte Unterstützung im Studium zu bieten.

Unsere letzte Einheit in Präsenz fand am neunten März 2020 statt. Wir haben im Anschluss den darauffolgenden Termin um vier Stunden nach hinten verschoben. Niemand von uns ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass der Termin gar nicht erst stattfinden wird, und dass dies das letzte Mal in diesem Semester sein würde, dass wir uns persönlich sehen werden.

Online-Prüfung mit Zoom

Nach den erlassenen Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus mussten wir eine online-Lösung für die bevorstehende Prüfung finden. Wir benötigten ein Tool mit guter Barrierefreiheit, mit welchem wir die Prüfung auf dem PC des Studenten aufbereiten können und mit dem die Kommunikation mit dem Studenten erfolgen kann. Nach mehreren Tests hat sich Zoom und dessen Fernsteuerungsfunktion dafür als geeignet herausgestellt.

Nachdem der Prüfungsablauf geplant und mit allen Beteiligten abgestimmt wurde, war es endlich so weit, ihn umzusetzen. Zum Prüfungstermin betraten wir alle pünktlich den Zoom-Raum. Andreas Dendl war gleich doppelt im Raum vorhanden, da er zu dieser Zeit noch keine Webcam besaß und daher neben seinem PC auch die Kamera des Smartphones verwendete, um mit uns einfacher kommunizieren zu können. Nach einer kurzen Begründung und der Bestätigung zum Starten der Prüfung teilte er seinen Screen in Zoom und startete sein Lern- und Prüfungstool namens Lerntia - eine Eigenentwicklung, die seit Juli 2018 für seine Prüfungen eingesetzt wird.

Um die Prüfung auf seinem PC einspielen zu können, forderten wir Fernbedienungsrechte über Zoom an. Daraufhin erschien ein Dialogfenster in Zoom beim Studenten, welches er bestätigen musste. Nach seiner Bestätigung wechselten wir auf seinem PC in den Prüfungsmodus von Lerntia und bereiteten die Prüfung vor. Im Anschluss gaben wir die Fernbedienungsrechte in Zoom wieder auf und sperrten den Meeting-Raum, um auf der sicheren Seite zu sein, auch wenn niemandem außer uns die Zugangsdaten (ID und Passwort) zum Zoom-Raum weitergegeben wurden.

Andreas Dendl beantwortete die Prüfungsfragen mittels seiner Augensteuerung. Es war das erste Mal, dass er diese bei einer Prüfung einsetzen konnte. Dennoch verlief alles problemlos, und die Prüfung wurde erfolgreich bearbeitet und abgegeben. Es sind keine Probleme mit der Augensteuerung aufgetreten und auch keine Probleme mit dem Internetnetzwerk, das noch in der selben Woche der Prüfung für mehrere Stunden ausgefallen war.

Arbeit im Distance Learning

Für unsere regelmäßigen Einheiten verwenden meine Kolleg_innen und ich einen gemeinsamen Zoom-Raum, in dem wir abwechselnd unsere Einheiten halten. Dies hat den Vorteil, dass die Zugangsdaten für alle immer gleich bleiben und nicht zwischen mehreren Räumen gewechselt werden muss. Da Andreas Dendl mit zwei Bildschirmen arbeitet, war die Fernzugriffsoption von Zoom nicht ausreichend, da weder er mit der Augensteuerung, noch wir aus der Ferne, Zugriff auf seinen zweiten Bildschirm hatten. Daher verwenden wir nun die Remoteunterstützung von Zoom. Diese Option musste zuerst vom Host des Raumes und vom Studenten in den Zoom-Einstellungen aktiviert werden, und sie erlaubt es uns, auch den anderen Bildschirm zu nutzen. Die dafür benötigte Host-Rolle wird über den Host-Schlüssel beansprucht, der ausschließlich an alle Teammitglieder weitergegeben wurde. Somit ist es für unser Team - bis auf den Host und den Studenten - nicht notwendig, einen Account bei Zoom zu haben, um unsere Einheiten via der Remoteunterstützung abhalten zu können.

Für uns war es interessant, zu sehen, dass unsere Arbeit auch genauso gut im Distance Learning erfolgen kann, auch wenn mehrere zusätzliche Fragen zu einem festen Bestandteil jeder Einheit geworden sind, die in Präsenz nie notwendig waren. Neben den typischen Fragen, ob der Sound korrekt übertragen wird und ob dasTeilen und Steuern des Bildschirms funktioniert hat, kommt auch die Frage nach derSichtbarkeit des Mauszeigers, der manchmal nicht gerendert wird, hinzu. Weiters muss ich beachten, dass ich mein Kamerabild in Zoom bei meinem Gegenüber nicht selbst sehe. Das ist relevant, da die Inhalte von mir so platziert werden müssen, dass diese auch von Elementen, die für mich nicht sichtbar sind, nicht verdeckt werden. Ebenso war das regelmäßige Ansehen einer starren Kameralinse, um mein Gegenüber ansprechen zu können, zu Beginn sehr gewöhnungsbedürftig. Auch wenn wir es für sinnvoll halten, dass zur aktuellen Zeit das Distance Learning noch weiter eingesetzt wird, steigt die Vorfreude darauf, eines Tages wieder eine Einheit in Präsenz abhalten zu können.


Sarah El-Sherbiny

Autorin: Sarah El-Sherbiny, Mitarbeiterin und Studentin des Studiums Visual Computing 



Falls Sie bereit sind, Ihre Erfahrungen aus Lehrendensicht oder aus Studierendensicht mit uns und Kolleg_innen zu teilen, freuen wir uns sehr über zahlreiche Kommentare in unserem Blogbereich oder auch direkten Kontakt über: distancelearning@tuwien.ac.at  


— Stay safe — 

Ihr Distance Learning Team